Wie bist du zu deinem Job gekommen und was reizt dich an der Arbeit im Zug?
Julian:
Die Eisenbahn hat mich schon immer fasziniert. Vor ein paar Jahren habe ich entschieden, in dieses Umfeld zu wechseln und es fühlte sich an wie „nach Hause kommen“. Seitdem motiviert mich die Verbindung aus Verantwortung, Abwechslung und direktem Kontakt mit Menschen jeden Tag.
Du bist täglich mit vielen Menschen unterwegs. Was bedeutet dir dieser Kontakt?
Julian:
Sehr viel. Ich treffe Menschen aus der ganzen Welt, kann unterstützen, Wege erklären und Lösungen finden. Für andere da zu sein ist jeden Tag eine neue, positive Herausforderung.
Gab es eine Begegnung, die dich besonders geprägt hat?
Julian:
Ja. Nach einem Gewaltereignis, von dem ich morgens in der Zeitung las, ging ich mit Vorurteilen zur Arbeit. Kurz darauf brachte mir ein 19-jähriger Fahrgast eine gefundene Handtasche mit weit über 1.000 Euro – vollständig. Seine Ehrlichkeit hat meine Vorurteile in dem Moment gebrochen. Später konnten wir die Tasche der Besitzerin zurückgeben; jeder Euro war noch da. Dieses Erlebnis rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis.
Unsere Kampagne heißt „Wir sind wie ihr – Linien, die verbinden“. Was bedeutet dir dieser Satz?
Julian:
Dass unsere Linien täglich Menschen zueinander bringen. Paare, die sich abends wiedersehen, Kolleginnen und Kollegen auf dem Weg zur Schicht, Familien auf Reisen. Wir schaffen Verbundenheit, indem wir Menschen zuverlässig von A nach B bringen.
Wie erlebst du Vielfalt im Team und im Kontakt mit den Fahrgästen?
Julian:
Wir arbeiten im Team selbstverständlich über Herkunft und Sprachen hinweg zusammen – wir verfolgen dasselbe Ziel. Mit Fahrgästen entstehen oft kleine Gespräche: über Reisen, Arbeit, Familie. Von jeder Begegnung nimmt man eine eigene, kleine Geschichte mit.
Welche Werte sind dir im Umgang mit Fahrgästen besonders wichtig?
Julian:
Respekt, Anstand und Ehrlichkeit. Wer offen auf mich zukommt, dem helfe ich etwa beim nachträglichen Ticketkauf. Mir ist wichtig, dass Wertschätzung nicht verloren geht: Hinter der Uniform steckt immer ein Mensch.
Wie gehst du mit Sprachbarrieren oder kulturellen Unterschieden um?
Julian:
Meist helfen Englisch, Übersetzungstools und oft auch andere Fahrgäste, die spontan dolmetschen. Mit Händen und Füßen lässt sich vieles klären. Schwieriger wird es, wenn Sprachbarrieren bewusst vorgeschoben werden; auch dann bleibe ich respektvoll und setze auf Ehrlichkeit.
Welche Botschaft möchtest du Menschen mitgeben, die neu in Deutschland ankommen?
Julian:
Fühlt euch sicher und willkommen. Sprecht uns an, wir helfen gern. Niemand muss genauso sein wie andere; wichtig sind gegenseitiger Respekt und Anstand. Dann gelingt Miteinander, im Zug und darüber hinaus.